Der Berner Pianist Oli Kuster betrat die Bibliothek Andreas Züst im Juni 2014 zum ersten Mal. Er verschwand gemäss Augenzeugenberichten eine Stunde nach Betreten des Raumes mit einer Gruppe Ethnologen in der Südsee.

Nun ist Kuster zurück mit seiner neuen Jazz-Platte «Magniflex». Darauf findet sich auch «Züst» wieder, ein wilder Ritt durch eine Bibliothek mit Fenster zum Appenzellerland, über das Kuster einst sagte: «Es ist schön wie das Emmental, nur die Leute scheinen offener.»

Video zu «Züst» auf Youtube
Ganze Platte auf iTunes

Juni 2017

Text: Valérie Wacker

Im Frühling 2016 erreichte uns aus Ghent eine Nachricht des Deutschen Literaturforschers Thorsten Ries, der in der Bibliothek Andreas Züst seine Recherche zum ethnografischen Konzept des «Memorizers» wie von Thomas Kling verwendet, zu recherchieren plante, ein Konzept, das offenbar auf Gespräche zwischen Kling und Andreas Züst oder die Bibliothek selbst zurückgehe. «Ich würde gerne diesen Zusammenhang anhand der Ozeanien-Literatur in der Bibliothek Andreas Züsts weiter recherchieren, da die genaue Quelle des Begriffs immer noch unklar ist. Möglicherweise finden sich Lektürespuren Klings.»

Als ich ihn über die Einladung zu einem Aufenthalt, welcher im Herbst 2016 erfolgt ist, nach dem Ergebnis seiner Recherche frage, führt mir Thorsten folgendes aus: Er sei gerade dabei, ein Büchlein «über digitale Forensik, Critique Génétique und Kling und Michael Speier (Winter Verlag, Reihe Beihefte zum Euphorion)» fertig zu machen.

«Darin findest du auch (…) was ich zu Klings ‹Memorizer› gefunden habe: nicht DIE erhoffte Quelle (und ich habe in allen Ecken der Bibliothek danach gesucht). Aber ich konnte immerhin das gemeinsame Interessenfeld ‹Ozeanien› und Claude Levy-Strauss’ ‹strukturale Anthropologie› anhand der Bibliothek ermitteln. Ich konnte auch die gemeinsamen Interessen und den zeitlichen Verlauf des Verhältnisses von Kling und Züst ein wenig ermitteln, indem ich Klings Widmungen in den Büchern der Bibliothek gesichtet habe. Ich gehe davon aus, dass die initiale Idee des ‹Memorizer› im mündlichen Austausch zwischen den beiden aufgekommen sein muss (daher die Widmung in Bekannte Bekannte 2), die weitere Übertragung ist Klings ‹Eigenleistung› – dies kann man, ex negativo, aus dem Abgrasen und der Fehlanzeige in der Bibliothek, schlussfolgern.»

Es sind Zeilen, die Thorsten mit dem Hinweis «dafür war dieser Besuch allemal wertvoll genug» schliesst, ich wiederum freue mich über diese Nachricht ab der verspielten Akribie, mit der ein Deutscher Literaturwissenschafter aus Ghent – «specialized on applications of digital forensics in the Humanities, scholarly editing and textgenetic criticism» – sich der Bibliothek Andreas Züst angenommen hat.

August 2017
Text: Mara Züst

I fly from Egypt to Switzerland overnight. After a devastating encounter with Lynching Photography in America, I begin to search the library for an Afrocentric book. I meet Lobagola on the Africa shelf. He takes me back to another Africa —

“As for me, I never saw a white man in my country (…) My mother said (…) they were formed much differently from our own men; every white man had only one of everything: one eye, in the middle of the forehead, one leg, with a great, wide foot, fan-shaped, so that when he lay down, the foot acted as a sunshade.”

Lobagola and a group of boys set out to find the white man. Their adventure culminates aboard a ship. On seeing a white man for the first time, all but one plunge to their death in the sea. Lobagola is transported to Glasgow, where a white family keeps him as a companion to their son. Thus begins his liminality, moving between Europe, Africa, and the US.

On the Internet, Lobagola is an American impostor who lived his life performing as a native African.

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Ibn Lobagola, Bata Kindai Amgoza
Lobagola: An African Savage’s Own Story
Publisher: New York: Negro University Press
Call Number: VG 018

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Allen, James; Als, Hilton; Lewis, John; Litwack, Leon F.
Without Sanctuary: Lynching Photography in America
Publisher: New Mexico, Twin Palm, 2000
Call Number: KCC 026

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Marginal image in The Rutland Psalter
Illustrated manuscript c. 1260
held at the British Library

April 2017
Text: Amira Hanafi

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Für mich hat sich die Photographie seit ihrem Ursprung nicht verändert, ausser in den technischen Belangen, und die kümmern mich wenig. Die Photographie ist ein unmittelbarer Ausdruck der Sinne und des Geistes, die in visuelle Begriffe übersetzte Welt, ein unaufhörliches Suchen und Fragen. Eine Tatsache wird im Bruchteil einer Sekunde erkannt, und im gleichen Augenblick fügen sich die visuell wahrgenommenen Formen, die diese Tatsache ausdrücken und ihr ihren Sinn verleihen, zu einem streng gegliederten Ganzen. Entscheidend ist, dass wir voll und ganz in dieser Wirklichkeit stehen, die wir im Sucher zerstückeln. Der Photoapparat ist gleichsam das Heft, in dem die in Zeit und Raum entworfenen Skizzen verzeichnet werden, gleichzeitig aber auch das grossartige Instrument, welches das Leben so erfasst, wie es sich darbietet. Photographieren ist nichts, wenn die Intuition des Gefühls und der Erkenntnis nicht daran teilhat. Alle diese Fähigkeiten müssen sich aufs innigste durchdringen, und dann bedeutet das Einfangen eines selben Bilds eine grosse physische Freude.

Photographieren scheint etwas leichtes, aber es erfordert grosse Konzentrationskraft, die sich mit Begeisterung und geistiger Disziplin paaren muss. Nur eine grosse Sparsamkeit der Mittel führt zur Einfachheit des Ausdrucks. Der Photograph soll dem Gegenstand mit grosser Ehrfurcht gegenübertreten, aber von seinem eigenen Standpunkt aus. Das ist meine persönliche Einstellung; darum bin ich gegen das «gestellte» Photo sehr voreingenommen. Andererseits auferlegt die intensive Verwendung der Bilder dank der Massenmedien den Photographen immer neue Verantwortung. Unbestreitbar besteht ein Bruch zwischen den wirtschaftlichen Geboten unserer Konsumgesellschaft und den Ansprüchen jener, die von unserer Zeit Zeugnis ablegen. Das berührt uns alle und ganz besonders die Generation der jungen Photographen. Mehr denn je müssen wir darauf bedacht sein uns nicht von der Welt und dem Menschlichen trennen zu lassen.

April 2017

Text: Auszug aus:
Cartier-Bresson, Henri
Meine Welt
Verlag: Luzern : Bucher, 1968
Signatur: KCAC 008
Regal: Fotografie I

www.biancapedrina.com

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Like many of the visitors to the Alpenhof, we spent most of our time as residents of Die Bibliothek Andreas Züst enchanted by the library itself. It wasn’t only the books – an exciting combination of rare collector’s editions and mundane titles together drawing a portrait of a man – that caught our attention, but also the classification system through which these are arranged. Many of the categories, including das Weib (the female), Weltanschauungen (worldviews), and alternative Weltbilder (alternative images of the world), sparked our imagination, inviting us to discover what they hold, and what they might exclude. But none were as alluring as the Beschissene Restgruppe, the ‘shitty leftovers’ that would not fit anywhere else. Located in a poorly-lit corner beneath the stairs, this little section captivated us, and we found ourselves returning to it again and again. The following is an attempt to undo it. For our journal entry, we propose a virtual re-organisation of a few of the shitty leftovers into the general library system.

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A book on the history, ethnography and economy of silk goes into the Erotica section.

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John F. Kennedy’s A Nation of Immigrants gets put in the section devoted to the Außerirdische (alien).

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An exploration of Warum Katzen malen (Why Cats paint) is clearly a question that belongs in the Ästhetik (aesthetics) section.

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A Migros annual report for the year 2000 is a collection of facts and figures akin to the notions addressed in the section on the Futuristen (Futurists).

An article inspired by the classification system of Die Bibliothek Andreas Züst is forthcoming in the October issue of OAR, Issue 2: Validity.

April 2017
Text: Jessyca Hutchens, Anita Paz, Naomi Vogt, and Nina Wakeford (OAR editors).


Resiento todavía un poco el inglés.

Me suele pasar que me frustro porque no puedo hablar tan rápido como pienso.


En Alpenhof empecé a centrarme en pensar en una trilogía de Switzerland

De pronto era como estar rodeada de elfos y momentos místicos.

Björk era un referente estético que me sonaba en la cabeza.
 Mutual Core me fragmentó accidentes geográficos que se veían desde el mirador del cuarto.
 Blanca Nieves (tropical) intentando hacer #hicking en los caminos de St. Gallen – Kappelle.

Me tragó el bosque negro.
Aún no sé si la trilogía preciosista será una realidad. Suena como una catedral gótica llena de vitrales. Trilogía preciosista de momentos míticos #random en Switzerland. Épicos
Cuando volví a SJO-CR me obsesioné con “black is the color of my true love’s hair” de Nina Simone.

En Zürich tuve un ataque de identidad. Fue cuando conocí a Teresa Margolles, hablamos en español y después de ésa conversación ésa noche, no puede volver al modo global del inglés.

El pelo negro es lo mío.

Se me abrió una puerta al #self
Tuve una crisis de identidad, la (a)típica.

Existencialismo con un orgasmo de caos.
Entonces.
No es casualidad que mientras subís y bajás trenes, viajando desde cerca de Madulain, hasta Oberegg, entrés en la oficina de correos, te vean el rostro desorbitado; y que con una hermosa sonrisa estilo #Suiza la señora que te recibe, después de un breve intercambio para comprar unas estampillas, te pregunte: ¿qué hace una chica de Costa Rica aquí? Vos, con 2 kilos 200 gramos de queso en la bolsa que cargás desde Los Alpes, sólo le podés sonreír y con un gesto con los hombros – susurrando un “no sé” – responder “voy a una biblioteca”.

September 2016
Text: María José S. Guevara


This mix is a compilation of some of the things I would listen to while browsing the library late at night, when the Alpenhof staff had left and the other artists were asleep. It’s an attempt to sum up what it felt like to be up a mountain in rural Switzerland at a time when the world order seemed to be being overturned. Featuring unreleased material from Edward Herring and Leo Luchini, samples from the library’s S-Press cassette collection, Appenzell field recordings of cow bells, as well as music by Lorenzo Senni, Keiji Haino, Duncan Mackay, Arthur Russell and Calvin Harris.

Listen on Soundcloud.

November 2016
Text: Dylan Spencer-Davidson

Ein zufälliges Ereignis bedeutet immer eine Demütigung. Der Mensch ist ein Sinn suchendes Wesen. Dass da draußen im All kein Leben stattfände, es nicht mit Flugobjekten in die uns bekannte Sphäre eindringe, keine Spuren in Feldern hinterließe und nicht versuche, mit uns in Kontakt zu treten, das will uns nicht in den Kopf. Es beleidigt unser Empfinden, dass UFOs am Ende nur Zufälliges darstellten, die nur Wetterballons, Frisbees, Lenticularis-Wolken, Polarlichter oder Leuchtbomben zum Grund hatten. Wir verlangen von der Geschichte etwas Anderes, erkennbar Bedeutenderes, aber stets verweigert sie uns das. Die alternativen Narrationen öffnen eine Fluchttür aus der wenig einladenden Banalität der Wirklichkeit. Wir vermuten hinter unerklärlichen Phänomenen das Gewaltige und Mächtige. Werden keine tieferen Narrationen verbreitet, dann suchen wir uns die Narrationen selbst. Was macht diese andere Wahrnehmung mit uns?

UFOs sind die stärksten Visualisierungen dieses andersartigen «Denkens» und sie führen zu einer enormen Produktion an «Beweisen», einer Sinn suchenden Fabrikation von Glauben. Das Fehlen von Gewissheit wird zum Beweis für die Wahrheit.

November 2016
Text: Thomas Maier


Dear librarian,
This is a proposal for an exhibition to be held at the site of your library using the books in your collection.

The process and display would contain the following elements:

(A)   A display of books, selected from your library, based on a set of criteria as listed in (B)

(B)   A text which includes this covering letter, an explanation of the criteria used to curate the
 books in the display (A) and a bibliography

(C)   Documentation from the previous iteration/s of the project that took place in other libraries,
 creating connections between collections in different cities and countries

(D)   Potential for parts (A) and (B) to be repeated at a further library, with the documentation from
 your library becoming part (C)

We are looking forward to hearing what you think.
Marie Artaker and Margherita Huntley

Find more information about the project here.

November 2016
Text: Marie Artaker and Margherita Huntley